Good Mob

20. Augustbis 30. September 2009 in Johannesburg, Südafrika
Opening: 15th Sept. 2009, 17h30 at Artist Proof Studio
Bus-Factory / 3 President Street / Newtown / Johannesburg / South Africa
Exhb: 16th -30th September 2009

GOOD MOB

„Guter Mob“ ist ein Projekt von Pony Pedro, KünstlerInnen des Artist Proof Studio (Johannesburg, SA) und StudentInnen der Universität von Johannesburg (Dept. of Visual Art Faculty of Art, Design & Architecture SA) zu den Themen Gruppenprozesse und Meinungsäußerung.

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Die Arbeit verbindet die Genres Plakatgrafik und Performance in zwei Teilen: es werden Plakate für den öffentlichen Raum entwickelt, grafisch umgesetzt und im Handsiebdruck hergestellt. Diese Plakate bewerben dann im öffentlichen Raum gemeinsam konzipierte Gruppenaktionen unter dem allgemeinen Titel „Guter Mob“. Die auf den Plakaten angekündigten Aktionen sind gleichzeitig der Aufruf, sich an den Performances zu beteiligen. Im zweiten Teil des Projekts werden die inszenierten Gruppen-Aktionen („Gute Mobs“) als live- Performances im öffentlichen Raum mit den Teilnehmern umgesetzt. Als Abschluss wird das Projekt als Videodokumentation der Plakate im öffentlichen Raum, Videodokumentation der Performanceaktionen sowie die gedruckten Plakate in der Galerie des Artist Proof Studio in der Busfactory in Downtown Johannesburg ausgestellt. Die letzte „good mob – Performance“ wird zur Eröffnung der Ausstellung stattfinden.

Guter Mob
Im eigentlichen Sinn ist ein Mob eine unkontrollierbare, aufständische Menschenmenge. Der Mob wird gemeinhin als ungebildet und rüde beschrieben. Ohne Organisation und Struktur ist von einem Mob nichts Gutes zu erwarten. Der Mob hat sich nur kurzfristig zusammengefunden, um Veränderungen zu seinen Gunsten zu fordern. Gleichzeitig sind Veränderungen aber der Motor einer Gesellschaft. Soziale Strukturen müssen sich ändern, um sich an veränderte Bedürfnisse anzupassen. Hier knüpft die Idee des „guten Mobs“ an, als Synonym für das zivilgesellschaftliche Engagement. Der „Gute Mob“ grenzt sich vom Mob als Bewegung von Tumult und Aufruhr, die weder analysiert noch diskutiert, ab.

Kann ein Mob die Bedürfnisse einer sozialen Bewegung ausdrücken? Gibt es so etwas wie den “guten Mob”? Was wären oder sind die Forderungen eines solchen “guten Mobs”?

Gruppen und guter Mob
Traditionelle soziale Gruppen definieren sich über Ethnie, Hautfarbe, Familie, Religion oder soziale Schicht/Klasse.
Dagegen finden sich zivilgesellschaftlich engagierte Gruppen über diese traditionellen Gruppen hinweg über gemeinsame Themen, weltanschauliche Meinungen, Ansichten und moderne Wertevorstellungen zusammen. Das Projekt „Guter Mob“ stellt die Frage nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner einer solchen themen-bezogenen Gruppe. Als abstrakte Markierung dient hier ein einfaches gemeinsames Merkmal, z.B. die Gruppe mit dem Merkmal, ständig in Bewegung zu sein – „Move on – Gruppe“. Durch die Dekonstruktion von gruppenspezifischen Prozessen in kleinste, diese Gruppe bildende Einheiten, stellt das Projekt Fragen nach freier Meinungsäußerung, Demokratisierung, Fremdenhass, Identität, Rasse und Sicherheit.

Kommunikationsprozesse initiieren – Plakate und Performance
Plakate sind traditionell in vielen Kulturen ein basisdemokratisches und einfaches Mittel der Kommunikation im öffentlichen Raum. Im Handsiebdruck hergestellt sind sie gleichzeitig handwerkliches künstlerisch-grafisches Artefakt zur Informationsvermittlung.Pony Pedro benutzt Plakate als Form von Irritation oder Störungen in Kommunikationsprozessen. Die handgedruckten Siebdruckplakate entsprechen in Design und Inhalt nicht den in der Werbung üblichen Plakaten. Stattdessen unterbrechen die Plakate etablierte Kommunikationsprozesse im öffentlichen Raum und stellen dem Betrachter Fragen. Im Fall von “Guter Mob” lauten die Fragen zum Bespiel: Warum treffen sich diese Leute? Was ist ihr Ziel, oder ihre Forderung? Ist diese Gruppe (der Mob) interessant für mich? Könnte ich Teil dieser Gruppe sein? Können meine Hoffnungen und Wünsche durch eine Gruppe ausgedrückt werden? Gibt es andere mit den gleichen Bedürfnissen? Könnte ich in einer Gruppe gezielter meine Ansichten und Meinungen vertreten und mehr Erfolg haben?

Die Kommunikationsstruktur der Öffentlichkeit ist ein weitgespanntes Netz von Sensoren, die auf den Druck gesamtgesellschaftlicher Problemlagen reagieren und einflussreiche Meinungen stimulieren.

Ihren institutionellen Kern bilden jene nicht-staatlichen und nicht-ökonomischen Zusammenschlüsse und Assoziationen auf freiwilliger Basis, die die Kommunikationsstrukturen der Öffentlichkeit in der alltäglichen Lebenswelt verankern. Die Zivilgesellschaft setzt sich aus jenen mehr oder weniger spontan entstandenen Vereinigungen, Organisationen und Bewegungen zusammen, welche die Resonanz, die die gesellschaftlichen Problemlagen in den privaten Lebensbereichen finden, aufnehmen, kondensieren und lautverstärkend an die (politische) Öffentlichkeit weiterleiten. Die Plakate der „Guten Mobs“ fordern assoziativ zu Diskursen über Fragen allgemeinen Interesses auf. Die selbst entworfenen Plakate fungieren dabei auch als initiierte Öffentlichkeit, Kommunikationsplattform und Aufforderung zu Aktion und damit aktivem Handeln.

Performance und Kommunikationsprozesse
Die auf den Plakaten angekündigten „Guten Mobs“ sind Performance - Aktionen, die der Frage nach der Entwicklung von Kommunikation im öffentlichen Raum in Afrika und Europa auf anderer Ebene weiter nachgehen. Die Performances „Guter Mob“ sind gleichzeitig aktionistisches Dokument der visuellen Geschichte des Mediums Plakat im Spannungsfeld interkultureller Begegnung.

Während die Plakate als Irritation im Öffentlichen Raum funktionieren, ermöglicht die Performance eine interaktive Form der Auseinandersetzung mit Gruppenprozessen im öffentlichen Raum. Die Passanten und Betrachter finden Datum und Ortsangabe auf den Plakaten, um die Initiatoren der „Guten Mobs“ zu treffen, Fragen zu stellen oder sich an der Aktion zu beteiligen. Vielleicht entstehen durch die Aktionen neue Fragen? In jedem Fall bieten die Performance-Aktionen die Möglichkeit des unmittelbaren Feedbacks.

Gefördert wird das Projekt von der Initiative „Aktion Afrika“ des Auswärtigen Amtes.

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